en werden kann ^). — ]) ?«r«lB«ffero&l. «* tn. 176 Hirfch, hütoriich geograidiiiehe Pathologie. C. Wangenbrand. (Noma, Wasserkrebs, Gangraenopsis , Cbeiloeaee v. s. w.). §. 90. Die Geschichte des Wangenbrandes, so weit es sich um eine bestimmte Erkenntniss der Krankheit von Seiten der Aerzte, einer sicheren Unterscheidung derselben von andern, ähnlichen Bj heiten des Mundes handelt, reicht nicht bis über das 17. Jahrhu hinaus; Kuntze*), Richter 2), Wigand^), Samelson^) und T d e s <) haben in grundlichster Weise die Schriften früherer Säculen di forscht , ohne jedoch irgend wo auf unzweideutige Spuren einer Bek Schaft der Aerzte jener Zeiten mit Noma zu treffen, sie haben ge dass unter der bereits von Hippocrates gebrauchten Bezeichnung im Allgemeinen ulcera depascentia verstanden wurden, dass allerding greifende Zerstörungen der Wangen, des Zahnfleisches, Gaumens u. von denselben beschrieben werden, dass aber offenbar mannigfache tbologische Prozesse, Scorbut, Anthrax, Stomacace u. s. w., und di ter wahrscheinlich auch Noma zusammengeworfen worden sind, und sich vergeblich bemühen würde, dieses Chaos zu entwirren, wenn i rerseits auch nicht bezweifelt werden darf, dass Wangenbrand in dei nannten Perioden unter denselben Verhältnissen, wie in der neueren neuesten Zeil vorgekommen ist. Neuerlichst hat Heusinger ^) au Epigramm des Martial^), das Epitaphium Canaces, aufmerksam macht, wo es bezüglich der Krankheitserscheinungen bei diesem 7. Lebensjahre verstorbenen, Mädchen heisst: borrida vultus Abslnlll et tenero sedit in oro laes, Ipsaqne crudeles edernnt oscula morbi, Nee data sunt nigris tota labella rogis. eine Schilderung, die sich allerdings ungezwungen auf Noma deuten und somit die eben ausgesprochene Yermuthung bestätigt — Die e unzweideutigsten Angaben über Noma findet man in den, von dem gereiseten Fabricius Hildanus^) aus dem Jahre 1611 mitgethc medicinisch - chirurgischen Beobachtungen, ausführlich dagegen behai die Krankheit zuerst Battus^) aus Amsterdam, dem alsbald me seiner Landsleule v. d. Voorde^<>), Muys^^), v. Swieten^^ u. a. ten. — Somit war im Anfange des 18. Jahrhunderts der Begriff Noma so weit festgestellt, dass die Krankheit in ihrer Eigenthümlic auch einzelnen Beobachtern in anderen Gegenden Europas, naroenUi England und Deutschland, nicht mehr entging, und später von vers denen Punkten Nachrichten über dieselbe einliefen; dennoch gewinnt bei einer Kritik der vorliegenden Mittheilungen über Noma bald dieU Zeugung, dass die Krankheit bis auf die neueste Zeit mehrfach mit ai Affectionen des Mundes, und speciell mit Stomatitis ulcerosa verwec 1) De antiquiUte et hist. litter. Komae etc. Berl. 1830. 2) Der Wasserkrebs der Kinder. Berl. 1828 , Beitr. znr Lehre rom Wasserkrebs. Berl Bemerk, ttber den Brand der Kinder. Berl. i8S4. 8) Der Wasserkrebs. Efian^ci 4) De noma histor. quaedam. Berl. 1840. 6) Dn noma ou da sphaoUe de U 1 ohes les enfiuU. Strassb. 1848. 6) In Janus N. F. I. 127. 7) Llb. XI. Epigr. 91. Ed. Schneidewin II. 504. 8) Obs. et oormt ehlr. Cent I. i Logd. 1661. 43. 9) Handboeok der Chimrgye. Amsterd. 1820. Slft. 10) Kienw Uohtende Fakkel der Chimrgle. MiddeH. 1680. m. 69», 11) Prax. ohir. rat Dec. IL obs. 10. Lngd. Batar. 1688. 89. 12) Comment in BoeriL Aphor. 8. 423. 482. L 760 ff. Organ- Krankh«iteii. Noma. 177 ^^Tden ist, und selbst vor wenigen Jahren noch haben sieh Bouiay und ^^illant^) bemüht, die Lehre vom Wangenbrande, trotz der ausge- rechneten Arbeit ihres Landsmannes Tourdes, so viel als möglich zu '^^winren. Noma gehört zu den am seltensten vorkommenden Krankheiten, so ^'^ viele sehr beschäftigte und sehr erfahrene Aerzte sie niemals zu ^bcD bekommen haben; so erklärt u. a. Elliotson^) die Krankheit fSr eioe in London sehr selten beobachtete; Lavacherie^) hat innerhalb 20 Jahren in Lüttich 8 Fälle derselben gesehen, Kömm^) spricht eben- fBlls von dem äusserst seltenen Vorkommen von Noma in Steyermark, so dass ibm in Gratz innerhalb 19 Jahren nur ein derartiger Fall begegnet ist, Heusinger^) erklärt (im Jahre 1833), dass er die Krankheit in litrbui-g niemals gesehen hat, Jackson ^) aus Northumberland (Penn- sylviviien) berichtet, dass er mit vielen bedeutenden Aerzten des Landes gesprochen habe, denen Wangenbrand niemals vorgekommen wären, s.w. — In eiozelnen, später zu erwähnenden, Gegenden scheint die Krankheit allerdings häufiger, als in anderen angetroffen zu werden, jedenfalls aber düifexi wir es, den vorliegenden Berichten nach, als ausgemacht ansehen, im, ^as die geographische Verbreitung der Krankheit im Grossen beUiSl, kein Punkt der Erdoberfläche sich einer absoluten Immunität von ^^\ben erfreut, und namentlich die vielfach wiederholte Behauptung, 1 du8 die warmen, und namentlich die tropischen Gegenden von Noma nncbont sind, vollkommen unbegründet ist. So berichtet Olympios^) '^ fber das Vorkommen der Krankheit in Griechenland, Vanucci^ - ^«owrkt, dass sie auf Corsica beobachtet wird, Polack^ sah Wan- ^brand 1863 — 54 in Teheran (Persien) in fast epidemischer Verbrei- ^Qog, auffallend häufig kommt die Krankheit, den Berichten von Twi- JJing«), Voigt"), Raleigh«), Webb«) und Hinder") zufolge, in Indien vor, ebenso wird sie, wie Bertherand i^) bemerkt, in den Kü- Slfogegenden Algiers angetroffen, und auch aus den subtropischen Ge- genden der westlichen Hemisphäre liegt ein Bericht von Du gas i*) über das nicht gar seltene Vorkommen von Noma in Augusta, Georgien, vor. §. 91. Bei einer Untersuchung derjenigen Momente, welche dem Vorkommen von Wangenbrand mehr oder weniger törderlich erscheinen, müssen wir zunächst den, von allen Beobachtern einstimmig conslatir- teo. Umstand in Betracht ziehen, dass die Krankheit niemals als primä- res Leiden auftritt, sondern stets als der Ausgang oder die Folge man- mgfacher, acuter oder chronischer Krankheitsformen, so namentlich acu- ter ^umtheme (vor Allem von Masern, seltener von Scharlach oder Blat*- tem) demnächst typhöser Fieber, von Keuchhusten, Ruhr, Malariakache- xie, wie es scheint, auch bei stark entwickelter Scrophulose, auftritt, demnach niemals krallige, gesunde Individuen, sondern solche, und zwar meist Kinder, befällt, welche durch langwierige, erschöpfende Krankhei- ten in einen hohen Grad von Schwäche versetzt sind, oder bei welchen, Lösebner^^ sich ausdrückt, eine durch heteroplastische Stoffe her- 1) Oai. mit. de Paris 185S. N. 17 ff. s) Lond. med. and surg. J. 1833. Jannar. 5) Joun. de MM. de BmxeU. 1844. 58. 4) Oest med. Jahrb. Nst F. ZVI. 8t. 6) Sckmidt, Jahrb. d. Med. 1. 82. 6) Amer. med. Record. ZIL 66. T) CoReapoi^eiisbL barer. Aente 1840. 181. 8) CompL rend. de FAcad. de MM. W.Mai 1888. 9) Wien. med. Woehensehr. 1864. K. 48. 10} Calcutt med. tr. IIL 861. 11) BibL for Liffer 1884. I. 881. 18) Indian J. of med. Sc I. »04. 18) PathoL Ind. Lond. 1848. SS9«. 14S. 14) Lond. med. Timee and Oaa. 1864. Febr. 16A. 15) Mtfd. et hjg. des Aiabes. Par. 1855. 16) Sonth. med. and svf . J. 1869. Oftbr. 17) Prac- VIeiteUahnschr. 1 praet HeUkde. 1847. lU. 88. Hlrseh, bist (Mgr. PattoL IL 12 178 Hirsch, hiiiorifoh geographiicto Pathologi«. vorgerufene Blutgährung: , d. h. allgemeine Gachexie, oder sogenannle Säfteverderbniss besteht — Das vorzug:8weise häufige Vorkommen dv Krankheit bei Kindern, die in der Reeonvalescenz von exantbemaHscha Fiebern und Typhus stehen, ist hinreichend bekannt, und Daroenülch vn Tour des statistisch nachgewiesen, indem unter 98 von ihm gesammeltfli Fällen von Noma 47 in Folge acuter Exantheme, und zwar 39 von H»' sern, 5 von Scharlach und 3 von Blattern, auftraten, weniger erkuri^ aber ist die, bereits von Gendrin^) hervorgehobene, grosse AbbäDg■^ keit, in welcher die Genese der Krankheit zu Malariafiebem steht, iii^ die nachweisbar gerade das oben erwähnte Vorherrschen derselbea li^ gewissen Gegenden bedingt. — Unter den 98 Fällen, die Tourdes g^ sammelt hat, fand er nur 8, welche als die Folge von Malariafieber tri' getreten waren; ich finde bei Jackson (aus Pennsylvanien) allein 7 d0^ artige Fälle angeführt, ferner bei Baron 2) aus Paris unter 6 Fällen ti nen, bei Pauli 3) aus Landau unter 3 Fällen ebenfalls einen, bei Blafft aus Aachen unter 2 Fällen einen, und gleichlautende Erfahrungen lio gen von Constant'O aus Paris, von Elliotson aus London, von Coar bon-P^rusel^) aus Carhaix u. a. vor. Am ausgesprochensten ma^ sich dieses Verhältniss selbstredend in denjenigen Gegenden bemeiklid deren Bodenverhältnisse, resp. deren feuchte, sumpfige Lage du endemische Vorherrschen von Malariafiebem bedingt, und wo Noma eba so häufig ist, dass sie fast den Namen einer endemischen Krankheit ver dient Die vorliegenden Nachrichten sind allerdings so sparsam und m lückenhall, dass wir nicht im Stande sind, die Verbreitung der Krankhd über die einzelnen, uns bekannt gewordenen Malariagebiete zu verfolgen allein einzelne Thatsachen von verschiedenen Punkten der Erdoberflädu lassen uns das fragliche kausale Verhältniss deutlich erkennen. — Schoi am Ende des vorigen Jahrhunderts war man auf das häufige Vorkommei von Noma in den sumpfigen Gegenden der Niederlande, von wo ji eben auch die ersten, sicheren Nachrichten über die Krankheit eingelau fen waren, aufmerksam geworden 7), und auch in der neuesten Zeil findei wir diese Thatsache in den Mittheilungen von Stelwagen, Thuessink Thijssen, Büchner, v. Oye^) u. a. bestätigt; aus Schweden lieg ein gleichlautender Bericht von Lund^) vor, der die Krankheit in Stock- holm und Schonen mehrfach beobachtet hat, und als eine der weeenir liebsten Ursachen derselben voraufgegangene langwierige Wechselfleb« bezeichnet; wie weit das fragliche Verhältniss für das Vorkommen da Krankheit in England massgebend ist, weiss ich nicht, dagegen üega einschlägige Beobachtungen aus Dänemark vor, indem schon de Meza^ auf das verliältnissmässig häufige Vorkommen von Noma in Copenhagei hinweiset und neuerlichst StaaP^) dem Berichte über einen in Folge voi Wechselfieber aufgetretenen Fall von Wangenbrand in Slagelse die Erktt rung hinzufügt, dass die Krankheit hier, wie in andern sumpfigen Küsteft gegenden der dänischen Inseln, häufig im Gefolge länger dauernder Weeb selfieber erscheint. — In der Tiefebene Nord deutsch lands begegnai wir der Thatsache u. a. in Breslau, wo Benedict i^) als Ursache dei dort nicht selten vorkommenden Wangenbrandes die sumpfige Lage dei 1) Journ. Kin, de Mtfd. CH. SlO. 8) Bullet de U FunM de Med. de Pftrii ISIS. HL 8) Slebold, J. f. OebarUh. XIV. 119. 4) Med. AmiAlen HL 118. b) Bnllet gtfn. de th6rap. 18SS. Korbr. 9) BuUet de 1* FaeiltA de U4± de Parti IStL m. 7) Verffl. Leiden fr oBt, De oanoro Soorbntico etc. Oronlng. 1788. R) Aonal. de la 8oc med.>olUr. de Brägf V. 9) AbhandL d. Sckfred» AeiA. ZZYII. SS. 10) Acta rer. Soo. med. Ham. iL los. u) BibL for. Lig«r 1880. IL 40, 18} In Salt Ma«ai« ZUV. Hea 8. I bexeichnel; sehr interessant ist folgende Bemerkung von Sieben^) Sachsen und der Mark: „lo fintm Zdlrauroe von 9 Jahren, in welchem leb die Heilkunit m Httbir- mtäbt«^ haU« ich nur ein einziges I^lat Gelegenbc^tt, dteüe KratikheU (Noma) beoba«]itei. Dieie Stadt liegt an eiaem sehr unbüdeulend<?n Flnsse« und gcniestl Yoriuie einer mefarentheilB beUeren, reioeti , mehr trocknen al> Peiichlen Loft^ diesem klimcilisehen VerbÄhnisse lag es wabrschernlrcb, dass dies« Krankbeil l 10 loiiersl sehen vorkam. Seibit der einzige Krunke, den ich dorl daran kn Kill, tm Kind von 2 Jahren, war nicht aus Halbersladl selbst, sondern aus fait l '/j Metten davon entfernten kleinen Sladt» die &a der Bude liegt, die It IE) Jed^m Frübjabr daselbst Uebcrschwemmungen verursacbt, weshatb, was we- [iten» biA znr letzleti, %o allfcmein verbreiteten Wachseirieberepldemie in Halber* M, wihrend meines 9j^brigen Aufenthaltes daselbst, nicht der Fat! war, in die- illelnen Stadt diese eben genannte Krankheit fast alle Jabre epidemisch wurde,., ^Ärend ineinci kann) dreijährigen Aufenth alles in der Stadt Brandenburgs habe rbiafegen diese Krankheit schon 6tnal beobachien können. Bekanntlich liegt He Stadt und ein grosser Theil der ihr nahen Dörfer, in einer sehr wasserreichen ffid. Die Lijf^ ist sehr feucht; Nebel ^ind fuußgf und die darch die fast jähr- In Ueber^chwemmungen der Havel erzeugte Snmpllurt begünstigt ausserordenthch • iilUteb^n der hÄofigen Wechselfieber. — Alle 6 Kranken, welche Ich er ia Brandenburg zn behandeln hatte, waren aus solchen Orten, liehe fast ganz von Wasser nm geben sind. Dieser grosse und anflfai* 1e Unterschied, der in der Lage der Städte Brandenburg und Hatbersladt und klimatischen Be^ebalTenheit , und in der Zahl der an diesem Uebel leidenden iken lUttEndet, begründet die Vermuthung , dass dre Entstehung dieser Krink^ durcb eine sojche Atmosphäre» als die hiesige ist, vori^Qglich begünstigt werde. ^* Aus MUleldeutschland finde ich eineNolk bei Deulschbein^}, folge Noma in der sumpli^ gelegenen Umgregend von Haue aufTallend ifiy ztir Beobachtung kornjut, und in dem ßerichle Ton Hüler^) wird luf hingcwtescn^ dass der in demselben besprochene Fall nach Wechsel- , und zwar in einem, Ucberschwemmungen ausgesetzten , Dorle in einlegend von Harburg entstanden war* Bemerkenswerlh ist ferner wie nach den Mittheilungen von Weber*) scheint, verhäJlnissmüssig tfe Vorkommeo von Noma in dem, in einem renoöimirten Malariage- ( gdegenen, Miihlhausen (Elsass), in gleicher Weise lässl sich das MTScIien der Krankheit auf Corsic